Wieviele Chancen hat Minden? Hamburg hatte nur eine. Und hat sie genutzt.

von | 27. Feb. 2019

Es hat annähernd zwei Wochen gedauert, bis das Mindener Tageblatt darüber berichtete: TOP 4 der Sitzung des Ausschuss Bauen, Umwelt und Verkehr am 13. Februar 2019. Thema: „Rahmenplanung Obere Altstadt – Quartier Königswall – Kampstraße – Pöttcherstraße“, von der auch das Areal Rampenloch betroffen ist.

Als der Artikel endlich erschien, wurde er auch im hohen Norden, in der Hansestadt Hamburg, aufmerksam gelesen. Von Strategieberater Edgar Wilkening – mit dem ich erstens seit vielen Jahrzehnten freundschaftlich verbunden bin, und dem ich zweitens einen sehr spannenden und inspirierenden Gastbeitrag hier auf der Website verdanke, der nur zwei Tage vorher erschienen ist.

Wohl deshalb fühlte sich Edgar Wilkening beim Lesen des Artikels aufgefordert, einen Leserbrief von der Elbe an die Weser zum Mindener Tageblatt zu senden (auf mt.de ohne Paywall erschienen am 27. Februar 2019, Printversion erschienen im Mindener Tageblatt vom 02. März 2019). Da er ihn mir freundlicherweise vorab zur Verfügung gestellt hat, gibt es ihn auch hier zu lesen. Für mich die entscheidende Aussage darin:

Das Rampenloch ist „Eine massiv verschenkte Chance. Hat Minden so viele davon, dass die Stadt sich das erlauben kann? Hamburg hatte nur diese eine Chance auf die HafenCity. Hamburg hat sie genutzt.“

Ich könnte es nicht besser sagen. Danke für dieses klare Statement.

Leserbrief zum Bericht „Der Rahmen steht – und die Mauer auch“ im Mindener Tageblatt vom 26. Februar 2019

Ich verfolge von Hamburg aus, was sich in meiner alten Heimatstadt Minden tut. Und bin bass erstaunt, wie leichtfertig man offensichtlich bereit ist, historische Chancen zu verspielen. Die Stadt ist also wildentschlossen, am Rampenloch Wohnraum zu schaffen? Ich halte das für einen gravierenden Fehler. Vielleicht muss man aus einer externen Perspektive auf die Stadt schauen, um zu erkennen, welches Potenzial das Rampenloch birgt? 

In einem Gastbeitrag für die in Minden ansässigen Quartierplaner habe ich das Gelände kürzlich mit der Hamburger HafenCity verglichen: strukturell identische Ausgangslagen. Klingt verwegen? Ich habe Anfang der Nullerjahre in verschiedensten Konstellationen daran mitwirken dürfen, dass die HafenCity zu dem wurde, was sie heute ist – als Strategieberater darf ich eventuell als qualifiziert genug gelten, um mich dazu zu äußern. 

Erstens: in beiden Fällen extrem geschichtsträchtiges Areal. Zweitens: beides ungenutzte Brachen im Dornröschenschlaf zum Zeitpunkt der Neuentwicklung. Und drittens: die wichtigsten Grundstücke  in beiden Fällen in Händen der Stadt, um die weitere Entwicklung strategisch gezielt steuern zu können. Verblüffende strukturelle Parallelen. 

Das bedeutet, man könnte aus dem Rampenloch prinzipiell etwas Ähnliches entwickeln, wie es Hamburg mit der HafenCity gelungen ist: einen weit über die Stadt hinaus sichtbaren Attraktionspunkt, der einen entscheidenden Eckstein im Profil der Stadt bildet – im Maßstab natürlich verkleinert und den naturgemäß anderen Bedingungen angepasst. Eine Frage des Gestaltungswillens.

Stattdessen gesichtsloser, geschichtsloser Wohnraum? Eine massiv verschenkte Chance. Hat Minden so viele davon, dass die Stadt sich das erlauben kann? Hamburg hatte nur diese eine Chance auf die HafenCity. Hamburg hat sie genutzt.

Edgar Wilkening, Hamburg

Astrid Engel

Architektin & Staatlich Anerkannte Sachverständige für Schall- und Wärmeschutz bei Die Quartierplaner
Mein Vater ist Architekt. Mein Bruder ist Architekt. Meine Neffen sind Architekten. Verflixt, da muss sich irgendwo ein Bau-Gen in unsere Familie reingemendelt haben ...

Als Quartierplanerin befasse ich mich seit Jahr und Tag mit zeitgemäßer Gebäude- und Quartierentwicklung im kommunalen, gewerblichen und privaten Kontext.

Als Altbau-Meisterin pflege ich dagegen meine Leidenschaft für geschichtsträchtige Alt- und Bestandsbauten – und gebe ihnen eine Zukunft, die ihrer Vergangenheit Respekt zollt.
Astrid Engel